Biographie Johann Sebastian Bachs

Die Werke des deutschen Komponisten und Organisten Johann Sebastian Bach sind der höchste Ausdruck der Polyphonie (eine Art musikalischer Komposition, bei der zwei unabhängige Melodien harmonisch nebeneinander gespielt werden). Er ist wohl der einzige Komponist, der die Möglichkeiten der Kunst seiner Zeit voll ausgeschöpft hat.

Frühen Lebensjahren

Johann Sebastian Bach wurde am 21. März 1685 in Eisenach als jüngstes Kind des Kirchenorganisten Johann Ambrosius Bach und der Elisabeth Lämmerhirt Bach geboren. Es gab Musiker in der Familie Bach, die sieben Generationen zurückreichten. Die Familie war auch streng lutherisch (eine Religion, die auf dem Glauben ihrer Gläubigen beruht, dass Gott ihnen ihre Sünden vergeben hat). Bach erhielt Geigenunterricht von seinem Vater. Er hatte auch eine schöne Stimme und sang im Kirchenchor. 1694 starben seine Mutter und sein Vater innerhalb von zwei Monaten. Im Alter von zehn Jahren zog Johann Sebastian nach Ohrdruf, Deutschland, um bei seinem Bruder Johann Christoph zu leben, der Organist an St. Michael Kirche. Von ihm erhielt Johann Sebastian seinen ersten Unterricht auf Tasteninstrumenten.

Als sich eine Öffnung in St. Michaelsschule in Lüneburg erhielt Bach 1700 ein Stipendium für seine schöne Stimme. Nachdem sich seine Stimme geändert hatte, wurde er ins Orchester versetzt und spielte Geige. Bach reiste oft nach Hamburg, Deutschland, um andere Musiker zu hören. In dieser Zeit begann er auch mit der Komposition von Choralvorspielen (Orgelkompositionen, die vor den im lutherischen Gottesdienst gesungenen Kirchenliedern gespielt wurden). Bach absolvierte die St. Michaelsschule 1702.

Entwickelt Orgelfähigkeiten

1703 wurde Bach als Organist in einer Kirche in Arnstad, Deutschland, angestellt, was ihm Zeit gab, auf seinem Lieblingsinstrument zu üben und sein Talent zu entwickeln. Er geriet mehrmals in Schwierigkeiten, einmal, weil er sich mit einem Musikerkollegen gestritten hatte, und einmal, weil er dabei erwischt wurde, wie er auf dem Balkon ein „fremdes Mädchen“ bewirtete, während er Orgel übte. 1705 erhielt Bach einen Monat Urlaub, um eine Kirche in Lübeck, Deutschland, zu besuchen und dort den Organisten zu hören. Bach war so beeindruckt, dass er vier Monate dort blieb, ohne Arnstad ein Wort darüber zu sagen, was er tat. Nach seiner Rückkehr nach Arnstad begann er, lange Orgelpräludien zu komponieren. Nach dem

1707 wurde Bach Organist an einer Kirche in Mühlhausen, Deutschland, einer größeren und reicheren Stadt als Arnstad. Später in diesem Jahr heiratete Bach Maria Barbara Bach, seine Cousine. Bach wollte Mühlhausen eine, wie er es nannte, „geordnete Kirchenmusik“ präsentieren. Sein Pfarrer Johann Frohne mochte sowohl die Messe als auch die Musik einfach. Die brillante Kantate Nr. 71, Gott ist mein König (God Is My King) wurde für den Gottesdienst geschrieben, bei dem im Februar 1708 neue Mitglieder in den Stadtrat aufgenommen wurden. Der Rat war so beeindruckt, dass die Musik gedruckt und in die Stadtbücher aufgenommen wurde. Der Konflikt zwischen Bachs musikalischen Vorstellungen und denen seines Pfarrers veranlasste Bach jedoch, sich anderswo nach einer neuen Stelle umzusehen.

Arbeiten für Könige

Bach kam 1708 als Hoforganist von Herzog Wilhelm Ernst nach Weimar, Deutschland. Seine neue Position verdoppelte sein Gehalt und erlaubte ihm, in einem strengeren lutherischen Umfeld zu arbeiten. Die Jahre 1708 bis 1710 brachten eine enorme Produktion originaler Orgelmusik von Bach. Sein damaliger Ruf beruhte jedoch hauptsächlich auf seinem Orgelspiel, nicht auf seinen Kompositionen. Kronprinz Friedrich von Schweden, der Bach 1714 spielen hörte, war so erstaunt, dass er einen Brillantring von seinem Finger nahm und ihn dem Organisten schenkte.

1716 regte sich Bach auf, als ihm nicht angeboten wurde, den verstorbenen Hofkapellmeister des Herzogs zu ersetzen. Zur gleichen Zeit hörte Prinz Leopold von Köthen, Deutschland, von Bach und bot ihm eine Stelle an. Als Bach um seine Freilassung nach Köthen bat, lehnte Herzog Wilhelm eine so kurzfristige Entlassung ab. Bach, der bereits einen Gehaltsvorschuss angenommen hatte, wurde so wütend, dass er verhaftet und fast einen Monat lang inhaftiert wurde. Bach trat seine Tätigkeit in Köthen nach seiner Entlassung an.

Höhepunkt seines Lebens

In Köthen war Bachs Hauptaufgabe die Leitung der Hofkapelle, an der der Fürst selbst teilnahm. 1720 starb Bachs Frau und hinterließ ihn als Witwer mit sieben Kindern. Ende 1721 heiratete er Anna Magdalena Wülken, eine zwanzigjährige Sängerin. Sie musste die schwierige Rolle der Ehefrau eines genialen Mannes übernehmen und auch die der Mutter seiner Kinder, von denen das älteste zwölf Jahre alt war. Aber sie scheint beiden Aufgaben gewachsen gewesen zu sein. Außerdem schenkte sie Bach in den nächsten zwanzig Jahren dreißig weitere Kinder.

Seine größten Instrumentalwerke schuf Bach in der Köthener Zeit. Die anderen Cöthener Musiker waren allesamt begabte Interpreten, und ihr Talent inspirierte Bach dazu, besondere Musik für sie zu schreiben. In dieser Zeit entstanden auch seine großen Orchesterwerke. Er schrieb viele seiner Klavierwerke für den Unterricht seiner eigenen Kinder. Nach der Heirat von Prinz Leopold hatte er jedoch weniger Zeit für die Musik, und die Hofkapelle hatte weniger zu tun. Dieser Bedeutungsverlust und Bachs Sorge um die Bildung seiner Kinder veranlassten ihn, sich nach einer anderen Stelle in einem stark lutherischen Gebiet umzusehen. 1723 wurde er zum Kantor (Chorleiter) von Leipzig, Deutschland, ernannt, um den verstorbenen Johann Kuhnau zu ersetzen.

Das Leipziger Komitee zögerte, Bach einzustellen. Sein Ruf galt hauptsächlich als Organist, nicht als Komponist, und seine Fähigkeiten als Organist waren nicht erforderlich, da der Kantor nicht verpflichtet war, bei den Gottesdiensten zu spielen. Seine Aufgaben bestanden hauptsächlich darin, Chormusik (für einen Chor konzipiert) für zwei große Kirchen, St. Thomas und St. Nikolaus. Außerdem wurde an bestimmten Tagen im Kirchenjahr und bei anderen Anlässen wie Beerdigungen besondere Musik gefordert. Bach versprach, neben den musikalischen Aufgaben auch andere Aufgaben im Zusammenhang mit der St. Thomas School, wie z. B. Musikunterricht, privater Gesangsunterricht und sogar Lateinunterricht. In Leipzig komponierte Bach den Großteil seiner Chormusik.

Spätere Jahre

Bach verlor in seinen letzten Lebensjahren allmählich sein Augenlicht und war im letzten Jahr seines Lebens völlig blind. Wenige Tage vor seinem Tod las er Teile der Hymne Vor deinen Thron tret‘ ich allhier (Vor deinem Thron stehe ich) für seinen Schwiegersohn aufzuschreiben. Nach einem Schlaganfall und hohem Fieber starb Bach am 28. Juli 1750. Vier seiner Söhne führten die musikalische Tradition der Familie Bach fort. Für Bach war das Schreiben von Musik ein Ausdruck des Glaubens. Jede Komposition war „im Namen Jesu“ und „allein zur Ehre Gottes“. Sein Einfluss auf die Musik wird in den Worten von Johannes Brahms (1833–1897) gut zum Ausdruck gebracht: „Studieren Sie Bach: Da finden Sie alles.“

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